18/09/2026
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Clas Eckholt verantwortet als Vice President Commercial und Mitglied der Geschäftsleitung mit Mein Schiff und Hapag-Lloyd Cruises zwei der profiliertesten Marken im europäischen Kreuzfahrtmarkt - vom Premium- bis zum Luxussegment. Im Gespräch gibt er Einblicke in Wachstumsstrategien, Markenführung und die Herausforderungen, zwei unterschiedliche Zielwelten erfolgreich zu steuern.
Interview
1. Zwei Marken, zwei Zielgruppen, zwei Welten - und dennoch eine gemeinsame Verantwortung. Viele Unternehmen tun sich schwer, unterschiedliche Markenprofile gleichzeitig scharf zu halten. Wie gelingt es dir, Mein Schiff und Hapag-Lloyd Cruises klar zu differenzieren und dennoch strategisch zusammenzuführen?
Beide Marken haben ein sehr klares Profil. Mein Schiff steht für modernen Premiumurlaub, viel Freiraum und ein umfangreiches Inklusivangebot. Hapag-Lloyd Cruises steht für Luxus, Expedition und sehr persönliche einmalige Erlebnisse. Diese Unterschiede sind die DNA und der Kern unserer Markenversprechen und zeichnen uns aus. Und das deutlich und erlebbar zu machen ist unser klare Zielvorgabe und Aufgabe. Gleichzeitig können wir hinter den Marken Kräfte bündeln, zum Beispiel bei Daten, Technologie oder einzelnen Prozessen. Für mich gilt: Gemeinsam arbeiten, wo es sinnvoll ist, aber für unsere Gäste klar unterscheidbar bleiben.
2. Die Kreuzfahrtindustrie hat nach herausfordernden Jahren eine bemerkenswerte Erholung und gleichzeitig starkes, anhaltendes Wachstum erlebt. Was sind aus deiner Sicht aktuell die wichtigsten Treiber dieses Wachstums - und wo siehst du die größten Chancen für beide Marken?
Kreuzfahrten verbinden vieles, was Menschen im Urlaub suchen: Komfort, Erholung, besondere Erlebnisse und die Möglichkeit, mehrere Ziele auf einer Reise sicher und komfortabel zu entdecken. Gleichzeitig interessieren sich immer mehr neue und auch jüngere Gäste für diese Reiseform.
Für Mein Schiff liegt eine große Chance darin, mit der wachsenden Flotte weitere Gäste zu gewinnen und neue Märkte zu erschließen. Bei Hapag-Lloyd Cruises wollen wir vor allem die internationale Nachfrage weiter ausbauen. Dabei ist uns wichtig: Wachstum darf nicht zulasten des Markenprofils oder der Qualität gehen.
3. Wachstum bedeutet in deiner Branche oft auch Flottenausbau und sehr hohe Investitionen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Flexibilität und Auslastung. Nach welchen Kriterien trefft ihr als Geschäftsleitung Entscheidungen über neue Schiffe und Kapazitätserweiterungen?
Ein neues Schiff ist eine Entscheidung für viele Jahre. Deshalb schauen wir sehr genau auf die Nachfrage, die Bedürfnisse unserer aktuellen und zukünftigen Kunden, die Entwicklung des Marktes und darauf, was zur jeweiligen Marke passt. Aus kommerzieller Sicht geht es vor allem um die Fragen: Für welche Gäste ist das Angebot gedacht? Welche Märkte können wir damit erreichen? Und lässt sich die zusätzliche Kapazität langfristig erfolgreich vermarkten?
Daneben spielen natürlich die Wirtschaftlichkeit, mögliche Fahrtgebiete und die technologische Entwicklung eine wichtige Rolle. Am Ende muss ein neues Schiff nicht nur effizienter, anders und moderner sein. Es muss vor allem zur Marke, deren DNA und zu den Bedürfnissen unserer Gäste passen.
4. Während Mein Schiff für einen modernen Premium-Ansatz steht, verkörpert Hapag-Lloyd Cruises ein sehr exklusives Luxusprodukt. Kunden erwarten heute jedoch in beiden Segmenten zunehmend Individualisierung und Erlebnisqualität. Wie verändern sich diese Erwartungen - und wie reagiert ihr darauf?
Unsere Gäste möchten ihre Reise heute stärker nach ihren eigenen Bedürfnissen gestalten. Individualisierung bedeutet für uns deshalb nicht, beide Marken gleich zu entwickeln, sondern die jeweiligen Erwartungen der Zielgruppen sehr genau zu verstehen und markenspezifisch zu übersetzen. Für uns heißt das: mehr Flexibilität. Die Personalisierung der individuellen Reiseerlebnisse steht für uns daher als zentrale Zielvorgabe für beide Marken mit unterschiedlichen Ausprägungen an erster Stelle. Bei Mein Schiff geht es vor allem um Wahlfreiheit, Flexibilisierung, Komfort und ein unkompliziertes Urlaubserlebnis. Gäste sollen selbst entscheiden können, wie aktiv, entspannt, kulinarisch, familienorientiert oder persönlich ihre Reise sein soll.
Bei Hapag-Lloyd Cruises ist der Anspruch noch individueller und persönlicher. Dort stehen besondere Reiseziele, exklusive Routen, intensive Betreuung und außergewöhnliche Erlebnisse im Mittelpunkt. Unsere Strategie ist daher, die Personalisierung der Reiseerlebnisse für beide Marken konsequent weiterzuentwickeln, aber jeweils mit einer klaren eigenen Ausprägung: skalierbarer, komfortabler und zugänglicher bei Mein Schiff; exklusiver, kuratierter und noch persönlicher bei Hapag-Lloyd Cruises.
Dafür müssen wir noch besser verstehen, was Gäste wirklich bewegt: vor der Reise, an Bord, an Land und nach der Reise. Kundenfeedback, Daten und digitale Touchpoints helfen uns, Bedürfnisse früher zu erkennen, Angebote passender zu machen und Services gezielter auszuspielen. Gleichzeitig bleibt entscheidend, dass sich das Erlebnis nicht technisch oder standardisiert anfühlt. Daten schaffen die Grundlage, aber am Ende muss daraus ein persönlicher, relevanter und emotionaler Moment für den Gast entstehen.
5. Die operative Komplexität in der Kreuzfahrt ist enorm: internationale Crews, globale Routen, eine sehr vorausschauende sowie nachhaltige Einkaufplanung und zugleich hohe Serviceansprüche. Gleichzeitig müssen Prozesse effizient bleiben. Wie schafft ihr es, diese Balance zwischen Exzellenz im Detail und wirtschaftlicher Steuerung zu halten?
Unsere Gäste erwarten ein besonderes Reiseerlebnis, das wir wirtschaftlich erfolgreich umsetzen müssen. Dafür analysieren wir die Daten und Insights aus Nachfrage, Auslastung, Kundenfeedback sowie aus globalen Entwicklungen auch entlang der gesamten Supply Chain. Vorausschauendes Handeln ist dabei essenziell. Entscheidend ist aber die enge Zusammenarbeit: das Nachfragemanagement über Marketing, Vertrieb, Customer Service und Revenue Management müssen eng mit den operativen Teams an Land und an Bord verzahnt sein. Nur wenn alle Bereiche gut zusammenspielen, können wir unseren Qualitätsanspruch dauerhaft erfüllen.
6. Führung in einer emotional geprägten Branche wie der Kreuzfahrt stellt besondere Anforderungen - sowohl an Kultur als auch an Entscheidungsfähigkeit. Ich bin immer wieder davon fasziniert, wie du trotz der großen Teams und Verantwortung diese Ruhe und deine authentisch, herzliche Art durchwegs ausstrahlst. Was bedeutet gute Führung für dich persönlich in diesem Umfeld und nach welchen Prinzipien führst du?
Gute Führung beginnt für mich mit Klarheit, Vertrauen und einem gemeinsamen Zielbild. Menschen müssen wissen, wohin wir wollen, was wir voneinander erwarten und welchen Beitrag jeder Einzelne leisten kann. Gerade in einem komplexen Umfeld wie der Kreuzfahrt entsteht Erfolg nur im Zusammenspiel: Wenn die Zahnräder bestmöglich ineinandergreifen, entsteht die Kraft, die wir brauchen, um unsere Ziele zu erreichen.
Mein eigener Anspruch ist es, dazu meinen Beitrag zu leisten: durch Orientierung, klare Erwartungen, Neugier auf unterschiedliche Perspektiven und die Bereitschaft, andere zu unterstützen. Mir ist wichtig, zuzuhören, Sichtweisen ernst zu nehmen und dann klare Entscheidungen zu treffen. Teams brauchen Freiraum, um Verantwortung zu übernehmen, aber auch Verlässlichkeit, wenn es darauf ankommt. Dabei möchte ich ansprechbar, authentisch und nahbar bleiben.
7. Nachhaltigkeit ist zu einem zentralen Thema in der Branche geworden - nicht nur regulatorisch, sondern auch aus Kundensicht eurem Anspruch. Wie integrieret ihr nachhaltige Innovationen in der Strategie, ohne das Reiseerlebnis zu beeinträchtigen?
Nachhaltigkeit ist keine Einzelmaßnahme, sondern eine dauerhafte Aufgabe und fester Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Deshalb investiert TUI Cruises unter anderem in moderne Schiffe, alternative Kraftstoffe, Landstrom, einen effizienteren Betrieb. Gleichzeitig betrachten wir ganzheitlich, wo wir Prozesse an Land und an Bord weiter optimieren, ressourcenbewusster gestalten und zukunftsfähig weiterentwickeln können.
Viele dieser Veränderungen laufen im Hintergrund. Für unsere Gäste sollen Komfort, Qualität und Erlebnis erhalten bleiben. Gleichzeitig merken wir, dass sich immer mehr Menschen dafür interessieren, wie verantwortungsvoll eine Reise gestaltet wird. Deshalb gehört Nachhaltigkeit bei TUI Cruises auch zwingend zur Markenführung und zu einer offenen, nachvollziehbaren Kommunikation.
8. Die Reisebranche insgesamt wird fragmentierter, und neue Wettbewerber sowie alternative Reiseformen gewinnen an Bedeutung. Wenn du in die Zukunft blickst: Welche Rolle wird die Kreuzfahrt in den nächsten fünf bis zehn Jahren spielen - und wie positionierst du beide Marken dafür?
Ich bin überzeugt, dass die Kreuzfahrt weiter wachsen wird. In einer immer schnelllebigeren Welt suchen Menschen stärker nach Ruhe, Entspannung, neuen Eindrücken und der Möglichkeit, wieder aufzutanken. Gleichzeitig werden persönliche Bedürfnisse und individuelle Freiheit wichtiger: Gäste möchten selbst wählen können, welche Angebote zu ihrem Lebensstil, ihren Interessen und ihrer aktuellen Lebenssituation passen.
Genau darin liegt die besondere Stärke der Kreuzfahrt: Auf dem Meer entsteht ein Abstand zum Alltag, den kaum eine andere Reiseform in dieser Form bietet. An Bord verbinden sich vielfältige Möglichkeiten aus Kulinarik, Spa, Sport, Entertainment, Gesundheit, Ruhe und Seeluft. Gleichzeitig eröffnet die Reise an Land Begegnungen mit neuen Kulturen, Landschaften, Perspektiven sowie einzigartige Einblicke in Flora und Fauna. Diese Kombination aus Erholung, Wahlfreiheit und Entdeckung wird aus meiner Sicht weiter an Bedeutung gewinnen.
Für uns bedeutet das den Anspruch, diesen sich verändernden Bedürfnissen noch besser gerecht zu werden und beide Marken klar darauf auszurichten. Mein Schiff kann modernen Premiumurlaub auf See für weitere Zielgruppen öffnen. Hapag-Lloyd Cruises kann seine führende Position im Luxus- und Expeditionssegment international weiter ausbauen. Wenn es uns gelingt, unsere Markenprofile zu schärfen, Qualität konsequent zu sichern und zugleich neuen individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden, steht unserem erfolgreichen Wachstum der vergangenen Jahre auch in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine mindestens ebenso erfolgreiche Entwicklung bevor.